Geschichte Schloß Liebenthann

1245 erscheinen die Brüder Konrad und Heinrich Wolfsattel als Herren der Burg Liebenthann.

Um 1370 verkaufen die letzten aus dem Ge-
schlecht der Wolfsattel die Herrschaft Lieben-
thann an die Herzöge von Teck.
In den Folgejahren wechseln häufig die Be-
sitzer, bis

1447 das Stift Kempten die Burg Liebenthann erwarb. Liebenthann wurde von nun an ein wesentlicher Eckpfeiler des Klostergebiets.

1479 begann Fürstabt Johann von Wernau mit dem völligen Neubau der Burg. Aus einer kleinen Anlage entstand die auch gegen Feuerwaffen sichere Burg mit starken Mauern.

1491 flüchtete Fürstabt Johann von Riedheim auf die Burg Liebenthann, inzwischen Haupt-
waffenplatz des Stifts Kempten, nachdem die Bauern sich erhoben hatten um gegen Hunger und hohe Steuern zu protestieren. Der Auf-
stand wurde 1492 niedergeschlagen.

1496 kam Kaiser Maximilian I. zu Besuch nach Liebenthann.

1525 flüchtete Fürstabt Sebastian von Breitenstein auf seine Burg Liebenthann, nachdem die Bauern sich wieder erhoben hatten. Am 2. April zogen die Obergünzburger Bauern vor die Burg und begannen mit der Belagerung. Verstärkt wurde die Belagerung durch ein Bauernheer unter Führung des Knopf von Leubas. Am 10. oder 11. April übergab der Fürstabt kampflos die Burg, die Bauern begannen sofort mit der Plünderung.
Noch am gleichen Tag zündeten Unbekannte die geplünderte Burg an.

1526 – 1530 setzte man die Burg Lieben-
thann wieder instand.

1564 zog sich Fürstabt Georg von Grafenegg aus Angst vor der Pest auf seine Burg Liebenthann zurück.

1632 holten zunächst die Tiroler während des dreißigjährigen Krieges die Geschütze aus der unbesetzten Burg Liebenthann, da die Schweden anrückten.
Am 25. Mai plündert die schwedische Reiterei die Burg. Einen Monat später, am 25. Juni 1632, fielen die Schweden nochmals über die Burg her um sie zu plündern, dabei hatten Sie es auf alles abgesehen was aus Eisen war.

1633 kamen die Schweden nochmals, um die Burg Liebenthann, an der gerade restauriert und repariert wurde, niederzubrennen.

1642 löste Fürstabt Roman Giel von Gielsberg die Vogtei Liebenthann auf und funktionierte sie zu einem Pflegeamt um, das aus den Orten Obergünzburg, Untrasried, Freien, Immenthal, Sellthürn, Upratsberg und Thal bestand.

1688 zog der stiftskemptische Pfleger aus Schloß Liebenthann aus und wohnte fortan im Pflegerschloß in Obergünzburg.

1728 erwog man, das Schloß nochmals instand zu setzen, um es wieder als Sitz des Pflegers zu benützen.

1802 im Rahmen der Säkularisation nahm der Kurfürst Max Josef von Bayern am 30. Novem-
ber die Fürstabtei samt Schloß Liebenthann in Beschlag.

1804 verkaufte der bayerische Staat das Schloßgut für 13281 Gulden.

1807 wurde das Schloß in bereits ruinen-
haften Zustand, zum Abbruch freigegeben. Nur der Bauhof und die Schlosskapelle stan-
den noch unversehrt.

1857 wurde auch der Bauhof abgerissen.

1870 als letztes Bauwerk wurde die Schloß-
kapelle abgebrochen. Danach standen noch einzelnen Mauerreste.

Heute ist das Gelände auf dem Schloß Liebenthann stark bewaldet. Gut zu erkennen ist ein tiefer Halsgraben der die Hauptburg von den Vorburgen trennte. Geländeunebenheiten weisen auf Bauwerke und Rundtürme hin. Interessantester Teil der Hauptburg ist der heute noch 27 Meter tiefe Brunnen, er ist mit gesägten Tuffsteinen ausgekleidet.

Geschichte Schloßmühle Liebenthann

Eine Mühle und ein Bauhof waren Bestandteil einer Burganlage. Wir dürfen daher sicher davon ausgehen, dass bereits 1245 eine Mühle in Liebenthann stand. Beide, sowohl Bauhof als auch Mühle waren der Burg räumlich zugeordnet, wobei die Mühle unterhalb der Burg am nächstgelegenen, geeigneten Gewässer lag. Wasserkraft war hier im Allgäu die einzige Energieform um das Räderwerk einer Mühle in Gang zu setzen.

1633, im 30jährigen Krieg, plünderten die Schweden die Liebenthanner Mühle auf Ihrem Weg zur Burg und brannten sie nieder. Da die damalige Mühle, mit Ausnahme der Fundamente, wohl ein Holzgebäude war lässt sich ihre genaue Lage nicht mehr nachweisen. Es ist zu vermuten, dass derselbe Standort genutzt wurde an dem heute noch die Mühle steht.

1655 nach dem westfälischen Frieden von 1648 bestand zunächst Bedarf an Bauholz um die nach dem 30jährigen Krieg zerstörten Gebäude wieder instand zu setzen, auch das Schloß Liebenthann. Einem Protokoll der fürstäbtlichen Verwaltung vom 17.03.1655 ist zu entnehmen, dass eine Sägemühle auf dem westlichen Ufer der Günz errichtet worden war. Auf den Fundamenten aus Tuffstein, tief gegründet, steht die Säge heute noch.

1669 pachtet Hans Lieb vom Stift Kempten die Säge, mit der Auflage auch noch eine Mahlmühle auf dem gegenüberliegenden, östlichen Ufer der Günz zu errichten.

1698 wird die Schloßmühle Liebenthann im Stil der Spät-Renaissance als Fachwerkbau erbaut. Die nebenstehende Abbildung zeigt die Mühle im Vordergrund, dahinter schaut die Säge hervor. Im Hintergrund Schloß Liebenthann, dazwischen die Gebäude einer Ziegelei die ebenfalls zum Schloß gehörte. Der Zugang zur Mühle war giebelseitig angeordnet, rechts von der Mühle ist ein Bauerngarten zu erkennen.

Pfleger von Stuben setzt als Müller Georg Rudhart ein. Die nächsten 150 Jahre werden seine Nachkommen Müller in Liebenthann sein.

1728 zeigen Protokolle der fürstäbtlichen Verwaltung einen ruinösen Zustand der Mühle an, mit der Maßgabe diese gründlich instand zu setzen.

1745 – 1750 erfolgt die Instandsetzung mit umfassenden Umbaumaßnahmen. So wird der Eingang von der Giebelseite auf die Traufseite verlegt. Für die eigentliche Mahlmühle und für den Wohnteil je ein separater Eingang. Die Mühle erhält einen großzügigen Grundriss, ein Brunnen wird eingebaut, ein Tonnengewölbe als Speisekammer und im Obergeschoss wird ein barocker T-Flur angelegt.

Sowohl äußerlich als auch im Inneren entsteht ein barockes Gebäude im Stil einer Herrschaftsmühle. Auf diesen Stand haben wir bei der Sanierung die Mühle zurückgeführt.

1802 Säkularisation. Ende der vielen kleinen Fürstentümer. Das Stift Kempten wird aufgelöst und dem Herzogtum Bayern zugeschlagen. Notorisch klamm verkaufen die Bayern die Mühle an den bisherigen Pächter Johann Georg Rudhart. Damit ist die Mühle fortan in Privatbesitz. Mitverkauft werden auch umfangreiche Ländereien im Tal, das Fischrecht in der Günz, oberhalb und unterhalb der Mühle, das Recht eine Quelle zur Trinkwasserversorgung im Liebenthanner Wald zu nutzen und natürlich das Recht das Wasser der Günz zum Antrieb der Mühle zu nutzen, die sogenannte "reale Mahl- und Sägmühlgerechtsame".

1822. In den Jahren um 1822 wird ganz Bayern vermessen und das "Urkataster" erstellt. 1822 erfolgt die Planaufnahme des Mühlenanwesens im Urkataster. Neben Mühle und Säge ist auch ein Stallgebäude nördlich der Mühle und ein Vorgängerbau des Stadels südlich der Mühle verzeichnet.

1830. Die Leistung der Mühle wird erhöht, dazu wird der Triebwerkskanal hinter der Mühle auf gut 300 m verlängert und so im Gelände eingetieft. Der tieferliegende Ablaufkanal erhöht die Fallhöhe des Wassers und ermöglicht den Einbau größerer, leistungsstärkerer Wasserräder.
Noch heute liegt beim Vermessungsamt der diesbezügliche Planantrag.

1832. Der Stadel südlich der Mühle wird abgebrochen und durch einen großzügigen Neubau mit gemauertem Erdgeschoß, Korbbogentoren und Sandsteingewänden an der Eingangstür ersetzt. Heute beherbergt dieser Stadel unser Ausflugslokal.

Um 1850 wird im Obergeschoß der Mühle ein Eckzimmer im Stil des Biedermeier ausgeschmückt. Ein Fries mit umfangreichen Schablonenmalereien ziert das ganz in Blautönen gehaltene Zimmer, wir nennen es heute das "blaue Damenzimmer".

1859 erfolgt die amtliche Eichpfahlsetzung für die Mühle, dabei wird die Stauhöhe festgesetzt, die der Müller künftig einzuhalten hat. Dem Protokoll ist eine Beschreibung von Mühle und Wasserbau beigefügt. Dieser entnehmen wir, dass an der Mühle vier Wasserräder zum Antrieb von 4 Mahlstühlen und der Säge ein Wasserrad zum Antrieb des Sägegatters montiert waren. Die Mühlschwelle (= Fallhöhe des Wassers) wird mit 3,64 m angegeben. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

1864. Müller ist nun Mang Anton Bachmann, der die Theresa Rudhart geheiratet hat. Er führt umfangreiche Renovierungen am Anwesen durch und erneuert den Dachstuhl der Mühle. Auch der Stadel südlich der Mühle erhält einen neuen, über 8 m hohen Dachstuhl mit großen Luken um Heu einzulagern. In den Türsturz des Stadels lässt er einmeißeln: M(ang) 1864 B(achmann).

1916. In die Mühle wird eine Turbinenanlage eingebaut um die Mühle selbst, umliegende Einzelgehöfte und die kleine Gemeinde Burg mit Strom zu versorgen. Dazu werden zwei der vier noch vorhandenen Mahlstühle abgebrochen. Die Liebenthanner Mühle ist im wesentlichen ein landwirtschaftliches Anwesen, der Sägebetrieb das "zweite Standbein" und die Stromproduktion ein willkommener Nebenerwerb.

In den Jahren nach 1920 und vor allem nach 1945, die Mühle nimmt in dieser Zeit Heimatvertriebene auf, erfolgen zahlreiche Unterteilungen von Räumen, allesamt in minderer baulicher Qualität. Der Unterhalt des Anwesens wird zunehmend vernachlässigt.

1974 verunglückt Eduard Wiedemann, der Sohn des Albert Wiedemann tödlich, bei einem Arbeitsunfall. Der Sägebetrieb wird eingestellt. Zuvor hatte er 1969 an der Säge eine neue Turbine einbauen lassen, die heute der Stromerzeugung für das gesamte Anwesen dient. Die Witwe des Eduard Wiedemann, Rosina Wiedemann lebt noch bis 1994 in der Mühle, danach steht die Mühle leer.

1999 nach dem Tod der Rosina Wiedemann gehört die Mühle einer Erbengemeinschaft. Michael Maurus erwirbt nach und nach alle Anteile und aktiviert wieder die Turbine an der Säge um Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen.

2004 erwerben Brigitte und Steffen Haid das Anwesen Schloßmühle Liebenthann um es wieder instand zusetzen und dort zu leben.